IMI-Analyse 2025/39 - in: AUSDRUCK (Dezember 2025)
Militär.Macht.Gender.
Ein feministischer Blick auf den Zusammenhang von Militarismus, Patriarchat und die koloniale Moderne
von: Margot Mehlis | Veröffentlicht am: 15. Dezember 2025
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Dieser Beitrag erschien in der Dezember-Ausgabe des IMI-Magazins mit dem Schwerpunkt „Feminismus heißt Antimilitarismus“. Der Artikel kann hier, die gesamte Ausgabe hier heruntergeladen werden.
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Im Januar 2025 erließ der US-Präsident Donald Trump ein Dekret für das Militär, in dem die Existenz von Geschlechtervielfalt abgesehen von Mann und Frau für nichtig erklärt und das die Arbeit im Militär für Trans-Personen verbietet. Im Dekret heißt es: „Die Behauptung eines Mannes, er sei eine Frau, und seine Forderung, dass andere diese Lüge respektieren, steht nicht im Einklang mit der Demut und Selbstlosigkeit, die von einem Soldaten erwartet wird. Im Interesse unserer Nation und der patriotischen [US-]Amerikaner, die sich freiwillig zum Dienst melden, muss der Militärdienst denjenigen vorbehalten bleiben, die geistig und körperlich fit für den Dienst sind.“ Damit pathologisiert das Dekret genderdiverse Personen als schwach, als geistig und körperlich unfit.[1]
Diese Aussage ist ein Paradebeispiel dafür, wie Militärstrukturen Gender[2] schaffen und formen.
Grundsätzlich braucht das Militär Binaritäten. Militärstrukturen prägen Ideen von Männlichkeiten; dies beginnt mit der Tatsache, dass in den meisten Militärstrukturen die Wehrpflicht nur für Männer gilt. In populären Erzählungen, Romanen, Filmen und heutigen TikTok-Posts von Soldaten der Bundeswehr wird immer wieder ein Bild gezeichnet: Im Militär – und im Krieg – werden aus Jungen Männer. Das Militär prägt das Bild vom Mann, vom Soldaten, als Beschützer. Dieses bzw. diese Bilder von Männlichkeiten brauchen Gegenbilder. Bilder von der Frau, vom Unmännlichen, vom Zivilen, von den Beschützten.
Binaritäten sind zweiteilige Ordnungen, wie zum Beispiel Mann und Frau, privat und politisch oder Freund und Feind. Es ist die Einordnung in starre und oberflächliche Kategorien, die oftmals auch eine hierarchische Ordnung schafft. Indem eine Kategorie der anderen untergeordnet wird, unterdrückt die Binarität und kann komplexe Realitäten nicht wiedergeben – so wie in dem Dekret: Männer, die sich als Männer sehen, sind geistig und körperlich fit, sie sind stark; genderdiverse Personen, die laut dem Dekret eine Lüge sind und die es damit nicht gibt, sind körperlich und geistig nicht stark. Das Militär braucht und schafft Binaritäten, auch Geschlechterbinaritäten, – u.a. in den eigenen Strukturen, an der Heimatfront und in den Kriegsgebieten.
Militär macht Gender im Militär
Wo sind die Frauen?[3] Die Politikwissenschaftlerin Cynthia Enloe lädt dazu ein, immer diese Frage zu stellen, um eine feministische Analyse zu erarbeiten. Es ist auch die Frage von liberalen Feminist*innen, die eine Gleichstellung der Geschlechter in den Gewaltstrukturen wie dem Militär anstreben. Blicken wir auf Militärapparate weltweit, so ist auffällig, dass Frauen selten in Kampfeinheiten zu finden sind und selten in ranghohen Positionen. Auch dadurch bestimmen die Abläufe im Militär, welche Rollen Frauen im Militär erfüllen. In Hinblick auf Militärapparate fällt auf, dass u.a. der Einsatz von Frauen in den Kampfeinheiten umkämpft ist. Laut dem Politikwissenschaftler Joshua A. Goldstein, seien 99% der Kämpfenden in den Weltkriegen Männer gewesen und bedeutsame Ausnahmen sieht er (jenseits der Weltkriege) nur im westafrikanischen Königreich Dahomey, dem heutigen Benin, in der Roten Armee der Sowjetunion, in einigen irregulären (nichtstaatlichen) Einheiten und in den US-Kriegen in Afghanistan und Irak.[4] Doch aktuell versucht der US-amerikanische Kriegsminister Peter Hegseth den Einsatz von Frauen in Kampfeinheiten in Frage zu stellen, indem er genderneutrale Fitnesstests für das Militär fordert, die es allerdings bereits gibt. In seinem Buch „The War on Warriors“, schreibt er: „Väter drängen uns dazu, Risiken einzugehen. Mütter bringen Stützräder an unseren Fahrrädern an. Wir brauchen Mütter. Aber nicht beim Militär und schon gar nicht im Kampf.“[5] Hier (re-)produziert er das Bild vom ermutigenden Vater und der bremsenden und vorsichtigen Mutter, vom starken Mann und der schwachen Frau. Hegseth verwies in den Sozialen Medien auch auf Israel, wo im Juni 2025 das israelische Militär ein Ausbildungsprogramm für Kampfsoldatinnen, die Infanterietruppen hinter der Feindeslinie versorgen sollten, aufgrund von Anforderungen an die Kampffitness aussetzten. Die Frauen seien der Belastung durch Kampfeinsätze nicht gewachsen. Dieser Schritt erfolgte, obwohl das israelische Militär seit Oktober 2023 eine Rekordzahl an Soldatinnen in Kampfeinheiten einsetzte, um die Lücken in den Reihen beim Einsatz im Genozid in Gaza zu füllen.[6] Vielleicht erfolgte die Aussetzung nicht obwohl, sondern weil diese Rekordzahl an Frauen erreicht wurde und aufgrund der Notwenigkeit, „die Normen von Männlichkeit zu schützen, die Männer oft motivieren, in den Kriegen zu kämpfen“.[7] [8]
Auch in den ranghohen Positionen sind wenige Frauen vertreten: In der Bundeswehr z.B. erhielten bislang drei Frauen einen Generaldienstgrad – sie sind alle im Sanitätsdienst verortet. Eine von ihnen erreichte im Juli 2025 als erste Frau den Grad eines Drei-Sterne-Generals und ist nun die neue Stellvertreterin des Generalinspekteurs der Bundeswehr.[9] Insgesamt sind rund 13% der Soldat*innen Frauen, d.h. etwa 24.000, und von ihnen sind ein Drittel im Sanitätsdienst.[10] Die ersten Laufbahnen, in die Frauen im Jahr 1991 aufgenommen wurden, waren der Sanitäts- und der Militärmusikdienst. Erst nach der Klage der Soldatin Tanja Kreil vor dem Europäischen Gerichtshof im Jahr 2000 wurden den Frauen alle militärischen Laufbahnen in der Bundeswehr eröffnet.[11]
Abgesehen von der Frage, welche Rollen die Frauen in den Militärapparaten offiziell einnehmen dürfen, stellt sich auch die Frage nach Diskriminierung gegen Frauen und geschlechtsspezifischer Gewalt im Militär. Im Patriarchat erfolgt eine Bestärkung der eigenen überlegenen Männlichkeit für sich selbst und für andere durch Erniedrigung und Dominanz, Macht und Kontrolle über „andere“, die nicht dieser Männlichkeit zugehörig sind – besonders über Frauen, queere Personen und Untergebene. Auch in Bezug auf die Bundeswehr werden immer wieder Fälle von sexualisierter Erniedrigung aufgedeckt, die von Soldaten als Rituale abgetan werden, die zur Bundeswehr dazugehören. So das Aufnahmeritual mit dem Namen „Zäpfchen“, das durch das Einführen eines Fingers oder eines Gegenstandes in den Anus von Soldaten nichts weniger ist, als eine Vergewaltigung.[12] In Pfullendorf zwangen Ausbilder die ihnen untergebene Soldatinnen dazu, an einer im Aufenthaltsraum installierten Stange zu tanzen. Dies zeigt ihre Machtausübung über die Frauen – sie wurden erniedrigt und die Ausbilder bewiesen vor den anderen Ausbildern ihre Bereitschaft zu Gewalt. Fünf der angeklagten Ausbilder wurden versetzt – innerhalb der Kaserne, an andere Standorte und zwei von ihnen ins Kommando Spezialkräfte. Damit zeigt die Bundeswehr auch, dass diese Gewaltbereitschaft, die sie schlussendlich schult, nicht zur Bestrafung führt.[13] Für den Zeitraum 2020 bis 2024 berichtet der Bundestag von 1.319 gemeldeten Verdachtsfälle auf „Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und sonstige Formen sexueller Belästigung“ in der Bundeswehr – darunter waren 1.176 Verdachtsfälle gegen weibliche Soldatinnen.[14] Laut der 2020 für den internen Dienstgebrauch erstellten Studie „Bunt in der Bundeswehr – Ein Barometer zur Vielfalt“ gaben 21,1 Prozent der in der Bundeswehr beschäftigten befragten Frauen an, innerhalb der vergangenen zwei Jahre mindestens einmal aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert worden zu sein. Damit sei laut der Studie Diskriminierungsrisiko dreimal so hoch wie im bundesweiten Arbeitskontext.[15] Zu der sexistischen Diskriminierung zählt auch beleidigende und sexistische Sprache, z.B. wenn Soldaten beim Drill aufgefordert werden, ihre Stärke und Durchhaltevermögen zu zeigen und keine „Pussy“ zu sein. Doch auch sprachlich richtet sich viel in den Militärstrukturen nach der an Männlichkeit ausgerichteten Norm. Carol Cahn sammelte Beispiele, die hinsichtlich von Atomwaffen genutzt werden – sie beobachtet dabei u.a., dass Atomwaffen oftmals männliche Namen tragen. Z.B. Little Boy und Fat Man, die Atombomben, die Hiroshima und Nagasaki verstörten, oder die Wasserstoffbombe „Mike“, die auf das Eniwetok Atoll der Marshall-Inseln gefeuert wurde. Die Atomwaffen penetrieren und hinterlassen Krater, die das französische Militär oftmals nach Frauen benannte.[16]
… an der Heimatfront und den Militärstützpunkten…
Kriege und Militärstrukturen formen Genderbinaritäten und -rollen auch an der Heimatfront mit. Die Frauen werden durch ihre im Patriarchat erwartete Eigenschaft für das Militär mobilisiert – z.B. als loyale Soldatenehefrauen, die ihren Mann, den Soldaten, umsorgen und unentgeltliche Gemeinschaftsarbeit auf den Militärbasen leisten: Reproduktions- und Care-Arbeit für die Militärgemeinschaft. Dafür vergibt die Armed Forces Insurance (AFI) seit 2008 den Preis als „Military Spouse of the Year“ (MSOY) an Ehepartner von Militärangehörigen aller Teilstreitkräfte der USA auf den unterschiedlichen Stützpunkten weltweit – mit wenigen Ausnahmen geht der Preis an Militärehefrauen.[17] Frauen können auch zur Motivation für den Kriegsdienst mobilisiert werden und zwar nicht nur vom jeweiligen Verteidigungsministerium: In Großbritannien gründete Charles Fitzgerald, ein Admiral im Ruhestand, im Jahr 1914 den „Orden der Weißen Feder“ und dieser rief Frauen dazu auf, Männern, die nicht im Militär waren, bzw. in ziviler Kleidung im Straßenbild erschienen, weiße Federn, die Feigheit symbolisierten, zu überreichen. Sie sollten somit an ihre Männlichkeit appellieren, sie öffentlich beschämen und in den Militärdienst drängen.[18] Hierbei stärkte der Orden das Bild der Frau, die Schutz braucht und das des Mannes, des Soldaten, der sich für ihren Schutz opfert. Patriotische Dienste, die von Frauen zur Unterstützung des Militärs und der Nation verlangt wurden, umfassen nicht nur die Umsorgung der Soldatenehemänner, sondern auch die Prostitution für Soldaten an den ganzen NATO-Stützpunkten oder US-Stützpunkten weltweit. Wie die Politikwissenschaftlerin Katherine Moon schreibt: „Wo immer Soldaten sind, da existieren Frauen für sie.“[19] Sie betont, dass militärische Prostitution u.a. in Japan, Südkorea und den Philippinen ein komplexes System sei, an dem lokale und nationale Regierungen, politische Unterdrückung, wirtschaftliche Ungleichheiten, Geschlechterdiskriminierung, Rassismus und das koloniale Erbe mitwirken. Die US-amerikanische und die südkoreanische Regierungen sahen laut Moon die Prostitution als Mittel an, „um die ‚freundschaftlichen Beziehungen‘ beider Länder zu fördern und die US-Soldaten, „die so hart für die Freiheit des südkoreanischen Volkes kämpfen“, bei Laune zu halten.“[20]
… und im Krieg
Geschlechterbinaritäten, die Frauen, die Schutz brauchen, werden immer wieder mobilisiert, um Kriege als progressiv und unvermeidbar zu rahmen – so zum Beispiel der Krieg in Afghanistan, der zur Befreiung der Frauen geführt werden sollte. Dem liegt neben dem sexistischen Bild auch ein koloniales, rassistisches zugrunde. Wie Gayatri Chakravorty Spivak, eine fundamental wichtige Stimme für die postkoloniale Theorie, es formulierte: die weißen Männer retten die braunen Frauen vor den braunen Männern.[21]
Im Krieg werden Frauen häufig nur als Opfer dargestellt – Cynthia Enloe prägt in ihrem Buch „Bananas, Beaches and Bases“ den Begriff „FrauenundKinder“ (womenandchildren), mit dem die Opfer kategorisiert werden, wobei der Tod von Kindern und Frauen häufig von den von Männern getrennt wird. Dadurch, so Enloe, wird suggeriert, dass Frauen unschuldig und Männer Täter seien.
Tatsächlich wird sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt und feministische Wissenschaftlerinnen widmeten sich lange dem Thema. Es ist auch eine Tatsache, dass sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe eingesetzt wird – doch sie funktioniert im patriarchalen System. Sie greift die Männlichkeit an – des Gegners, der es nicht schafft, sich und/oder seine Frauen zu schützen und stellt die eigene Männlichkeit unter Beweis oder versucht die ethnische Identität anzugreifen. Die Politikwissenschaftlerin Swati Parashar führt das Beispiel an, dass im Befreiungskrieg von Bangladesh im Jahr 1971 rund 300.000 Frauen vergewaltigt wurden durch die pakistanische Armee, in einem strategischen Versuch, die bengalische ethnische Identität zu schädigen. Parashar kritisiert jedoch, das sexualisierte Gewalt an Männern und Jungen weniger Aufmerksamkeit erfährt. Einige poststrukturalistische Forscher*innen verweisen darauf, dass sexualisierte Gewalt auch männliche Soldaten oder Zivilisten trifft und auch Soldatinnen zu den Täterinnen zählen können – im Patriarchat sei sexualisierte Gewalt an Männern durch Frauen mit noch mehr Scham und Entmännlichung verbunden. Oftmals werde sie bei Männern auch schlicht als Folter bezeichnet. Damit brechen postmoderne Feminist*innen mit dem Bild der Frau als Opfer und des Mannes als Täter. Blicken wir aktuell auf Palästina, dann sind auch die männlichen palästinensischen Gefangenen systematischer sexualisierter Gewalt in den israelischen Gefängnissen ausgesetzt. Im Sudan wird auch über sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe vor allem gegen Frauen und Kinder berichtet, ein Drittel der Betroffenen seien laut einem Bericht der BBC Jungen[22] – doch die Kriegsgewalt trifft alle. Parashar kritisiert, dass Ernährungsunsicherheit und Hungersnöte wenig Aufmerksamkeit in der feministischen Analyse von Krieg finden, obwohl sie mehr Menschen bedrohen als Kampfhandlungen und sexualisierte Kriegsgewalt – und jeder Tod verdiene die gleiche Aufmerksamkeit. Im Sudan wurden mehr als 400.000 Menschen zwischen April 2023 und November 2025 getötet, mehr als 11 Millionen flohen, mehr als 12 Millionen brauchen dringend humanitäre Hilfe und die UN warnt vor einer immer schlimmer werdenden Ernährungsunsicherheit, die zur weltweit größten Hungersnot auswachsen kann.[23]
Feministische Kritik an den Wurzeln des Militarismus
Wir leben heutzutage nicht nur in einem Patriarchat, sondern, wie die feministische Kulturwissenschaftlerin bell hooks es formulierte, in einem „imperialistischen, kapitalistischen Patriarchat weißer Vorherrschaft“. Es ist notwendig, zu sehen, dass Imperialismus, Kapitalismus, Sexismus und Rassismus zusammenwirken. Dabei ist es hilfreich, einen Blick auf den Ursprung dieses Patriarchats von heute und die Einführung der Binaritäten zu werfen. Die Politikwissenschaftlerin Claudia Brunner sieht die heutigen Kriege als ein Erbe der 500 Jahre andauernden kolonialen Gewaltgeschichte, die mit den Anfängen des Kapitalismus verbunden sind. Hierbei beruft sie sich zahlreiche Theoretiker*innen der „kolonialen Moderne“, wie Aníbal Quijano und zitiert den italienischen Philosophen und Soziologen Maurizio Lazzarato, der die Anfänge des Kapitalismus in der „dreifachen Eroberungen in der sogenannten ‚Neuen Welt’„ verortet: „der Eroberung von Land und Erde sowie der Landarbeiter:innen in Europa, der Eroberung der Frauen (mit der Hexenverfolgung als Sinnbild und Inbegriff ihrer Unterwerfung und der Enteignung des Wissens); und der Eroberung des ‚verfügbaren‘ Landes in der Neuen Welt, der indigenen Bevölkerungen, die in kolonisierte Bevölkerungen transformiert wurden, sowie der auf Sklav:innen reduzierten Afrikaner:innen“.[24] Die dekoloniale feministische Kritik, die mit der Durchsetzung von eurozentrischen und auf Menschen fokussierte Wissenswelt kritisch umgeht und anerkennt, dass es anderes Wissen gab und gibt, erkennt an, dass die Einteilung in Binaritäten und Kategorien mit der Unterwerfung von Natur und Menschen einhergeht.[25] Oder wie Claudia Brunner es formuliert: „Die in der kolonialen Moderne hervorgebrachte, zutiefst verinnerlichte Epistemologie und Praxis des Fragmentierens, Klassifizierens und Hierarchisierens hat die notwendigen Grundlagen dafür bereitgestellt, eine auf Kolonialismus und Kapitalismus basierende internationale Weltordnung der Ausbeutung zu etablieren, die den gegen sie über Jahrhunderte hinweg stets vorhandenen, auch gewaltsamen, Widerständen bis heute standhält.“[26] Sie fordert, dass dass Antimilitarismus „den globalen Zusammenhang zwischen Militarismus, Kapitalismus, Kolonialismus, Imperialismus, Nationalismus und Patriarchat zum Ausgangspunkt des Wiedersprechens gegen die normative Kraft des faktischen Krieges macht.“
Anmerkungen
[1] The White House: Prioritizing Military Excellence and Readiness, whitehouse.gov, 27.1.2025.
[2] Gender ist hierbei das soziale Geschlecht, als ein performatives Konstrukt zu verstehen, dass, wie Judith Butler betont, ein Tun ist. Die Genderidentität ist fluide und was wir tun, was wir sagen, was wir anziehen, wie wir handeln, erschafft dynamisch unser soziales Geschlecht. Das Geschlecht, was uns bei unserer Geburt zugeordnet wird und dann durch soziale Erwartungen anerzogen wird, können wir durch unser Tun ins Schwanken bringen – Gender Trouble, so nannte Judith Butler ihr Buch, das zur Grundsatzlektüre von Gender Studies zählt. Soziale Erwartungen erfolgen auch von Seiten des Militärs – und diese können sich auch ändern. Siehe: Judith Butler: Gender trouble, Feminism and the Subversion of Identity, Routlegde, New York und London, 1990.
[3] Cynthia Enloe: Bananas, Beaches and Bases: Making Feminist Sense of International Politics, Univeristy of California Press, Berkeley, 2014.
[4] Gordon Martel (Hrsg.): The Encyclopedia of War, First Edition, Blackwell Publishing, 2012
[5] James LaPorta: Women in the military worry about Hegseth’s views on women in combat, CBS-News, 13.12.2024.
[6] Amir Bohbot: New IDF record: Over 5,000 women recruited for combat roles last year, jpost.com, 18.8.2025, Henry Bodkin: Israel to stop training female combat soldiers over ‘lack of fitness’, telegraph.co.uk, 29.5.2025.
[7] Joshua S. Goldstein: War and Gender. How Gender Shapes the War System and Vice Versa, Cambridge University Press, 2001.
[8] Vielleicht zeigt der Einsatz, dass die soziale Kategorie „Frau“ der gleichen Belastung durch Kampfeinsätze ausgesetzt ist wie die soziale Kategorie „Mann“ und keine Person scheint der „Belastung“ des Krieges gewachsen zu sein – Soldaten der Kampfeinheiten machten im Jahr 2024 78% aller Suizide in Israel aus, zwischen Januar 2024 und Juli 2025 versuchten 279 Soldaten, sich umzubringen.
[9] Dorothee Frank: Erste Frau wird Stv. Generalinspekteur: Generaloberstabsarzt Dr. Nicole Schilling, defence-network.com, 1.7.2025
[10] Frauen im Sanitätsdienst – In der klinischen Versorgung, bundeswehr.de.
[11] Frauen bei der Bundeswehr, bundeswehr.de.
[12] Urteil gegen Ex-Soldaten „Für mich gehören bei der Bundeswehr solche Rituale hinzu“, rbb24.de, Di 2.9.2025.
[13] Matthias Gebauer: Bundeswehrausbilder zwangen Soldatin zum Stangentanz, spiegel.de, 14.2.2017.
[14] Christan Dewitz, Sexualisierte Gewalt in den deutschen Streitkräften, Bundeswehrjournal, 23.5.2025.
[15] Diskriminierung in Bundeswehr Keine bunte Truppe, tagesschau.de/report mainz, 14.3.2023
[16] Carol Cahn: Sex and the Death in the Rational World of Defense Interllectuals, in: Journal of Women in Culture and Society, 1987, Vol. 12, No. 4, University of Chicago
[17] Tamala Malerk: Interview with 2025 AFI USAG Wiesbaden Spouse of the Year, Candice Carter, Europe Stripes, 15.5.2025
[18] Alexander Sarovic und Christoph Gunkel: Psychologische Kriegs-Mobilmachung „Diese idiotischen jungen Frauen“, spiegel.de, 10.3.2017
[19] Katharine H.S. Moon: Military Prostitution And The U.S. Military In Asia, Asia Pacific Journal Volume 7 Issue 3, 2009
[20] Katharine H.S. Moon: Sex among allies, Military Prostitution in US-Korea Diplomacy, Columbia University Press, New York, 1997
[21] Gayatri Chakravorty Spivak: Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und subalterne Artikulation. Wien: Turia + Kant, 2008
[22] One-year-olds among those raped during Sudan civil war, UN says, bbc.com, 4.3.2025
[23] Center for Preventive Action: Civil War in Sudan, cfr.org, 6.11.2025
[24] Claudia Brunner: Grammatik des Krieges, Beobachtungen zur Militarisierung der Gegenwart, in: Marxistische Blätter 4_2024.
[25] Ebd.
[26] Claudia Brunner: Still Loving the F-Word. Zeitschrift für Friedens- und Konfliktforschung 11, 153–164 (2022).

